vor 740
Ein Ort mit Vorgeschichte
Hornbach liegt heute in der Südwestpfalz, wenige Kilometer von der französischen Grenze. Der Ort hieß früher Gamundias – „Zusammenfluss“ – und war schon in keltischer und römischer Zeit besiedelt; Münzfunde und ein Höhenheiligtum, das später vom Kloster überbaut wurde, bezeugen das.
Geografisch lag Hornbach mitten in jenem Raum, in dem sich Liutwins Familie bewegte: zwischen Saar und Rhein, zwischen den Bistümern Metz, Trier, Worms und Speyer. Von Mettlach aus ist es nicht weit.
um 740/741
Die Gründung: ein widonischer Graf und ein Wandermönch
Um 740/741 stiftete Graf Warnharius auf seinem Besitz ein Benediktinerkloster und holte den Klostergründer Pirmin dorthin. Bischof Sigibald von Metz († 741) unterzeichnete die Gründungsurkunde und bestätigte die Stiftung. belegt
Wer war Warnharius? wahrscheinlich
Warnharius gehörte zum Familienverband der Widonen, die als Vorfahren der Salier gelten. Sein Name ist die frühe Form von Werner – jenem Leitnamen, der in der „Werner-Sippe“ wiederkehrt, aus der die salischen Kaiser hervorgingen. Damit stand die Gründung Hornbachs in derselben Generation und demselben Familienverband wie Wido, der Sohn Liutwins.
Wie bei Mettlach gilt: Eine Klostergründung brauchte Land, Schutz und wirtschaftliche Grundlagen – und all das stellte ein Adeliger bereit. Pirmin brachte die geistliche Autorität, Warnharius den Besitz. Missionare bewegten sich nicht außerhalb der politischen Welt, sondern mitten in aristokratischen Netzwerken.
† 753
Pirmin – der Heilige von Hornbach
Pirmin (Pirminius) gehörte zur Generation der großen Klostergründer des frühen 8. Jahrhunderts, zeitgleich mit Bonifatius. 724 war er an der Gründung des Klosters auf der Insel Reichenau im Bodensee beteiligt, er wirkte im Elsass und am Oberrhein. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er in Hornbach.
Um 753 starb Pirmin und wurde in Hornbach begraben. Damit besaß das Kloster etwas außerordentlich Wertvolles: das Grab eines verehrten Gründers und Heiligen. Der Kult wuchs, das Grab wurde in die Ostapsis verlegt, ab 827 werden Pirmin und Petrus als Patrone genannt. Wie Liutwins Grab für Mettlach wurde Pirmins Grab für Hornbach zur Grundlage jahrhundertelanger Bedeutung.
8. – 10. Jahrhundert
Familienkloster der Widonen
Ein Familienkloster muss nicht von der Familie selbst gegründet worden sein: Eine Adelsfamilie konnte ein Kloster über Generationen fördern, ihm Land schenken, die Vogtei ausüben, ihre Toten dort bestatten und das Totengedenken prägen. Hornbach war für die Widonen-Lambertiner, was Mettlach für Liutwin war – das Langzeitgedächtnis einer Familie.
Um 850 kam das Stift Zell bei Worms mit mehreren Kirchen an Hornbach. Der Besitz reichte damit in den Wormsgau – genau in den Raum, in dem um 891 Graf Werner als früher Vertreter der späteren Salier greifbar wird. Hornbach ist die Brücke zwischen dem Saar-Mosel-Raum Liutwins und dem Worms- und Speyergau der Salier. wahrscheinlich
Um 970–990 ließ Abt Adalbert beim Reichenauer Schreiber Eburnant das Hornbacher Sakramentar anfertigen, eine Prachthandschrift, die heute in Solothurn liegt – ein Echo der alten Verbindung Pirmins zur Reichenau.
Die Spur der Familie
Liutwin gründet Mettlach (um 690) → sein Sohn Wido wird Stammvater der Widonen → der Widone Warnharius stiftet Hornbach (um 740) → die Widonen ziehen nach Nantes und Spoleto → der rheinische Zweig um Graf Werner bleibt im Worms- und Speyergau → die Salier besteigen 1024 den Thron und halten Hornbach als Eigenkloster.
Den ganzen Weg von Liutwin bis zum letzten Staufer verfolgen →
11. – 12. Jahrhundert
Das Kloster der Salier
Als Eigenkloster der Salier genoss Hornbach weitreichende Privilegien. Im 11. Jahrhundert entstand eine monumentale, rund 72 Meter lange Pfeilerbasilika mit zwei Apsiden, fünf Türmen und einem Westbau – ein Bau, der sich mit den großen Kirchen der Zeit messen konnte.
1087 schenkte Kaiser Heinrich IV. das Kloster dem Speyerer Bischof Rüdiger Huzmann: Das Familienkloster ging an den Bischof der salischen Grablege. Heinrich V. verlieh Hornbach das Münzrecht, das bis etwa 1230 ausgeübt wurde. Im frühen 12. Jahrhundert wuchs der Einfluss des Klosters bis nach Oberlothringen, durch Dorf- und Hofgründungen.
13. – 17. Jahrhundert
Niedergang und Reformation
Unter dem Einfluss der Grafen von Zweibrücken als Vögte verlor das Kloster an Bedeutung. 1548 lebten nur noch drei Mönche dort. 1557 wurde Hornbach in der Reformation aufgehoben; Besitz und Gebäude dienten fortan einer Fürstenschule des Herzogtums Pfalz-Zweibrücken, die 1631 nach Zweibrücken umzog.
Die Reliquien Pirmins gingen auf Wanderschaft: 1558 brachte sie der letzte Abt Anton von Salm nach Speyer, 1575 Graf Schweikhard von Helfenstein nach Innsbruck, wo sie bis heute in der Jesuitenkirche ruhen. Im Holländischen Krieg (1672–1678) rissen französische Truppen den Vierungsturm der Basilika nieder.
20. Jahrhundert – heute
Hornbach heute
1953 wurde das ursprüngliche Grab Pirmins wiederentdeckt; einige Gebeine kehrten nach Hornbach, Speyer und Pirmasens zurück. 1957 errichtete die Evangelische Kirche der Pfalz eine Kapelle über dem Grab, das seitdem wieder Ziel von Pilgern ist. Die erhaltenen Reste des Klosters sind in ein Hotel einbezogen; im Untergeschoss erzählt das Museum „Historama“ die Geschichte des Ortes.
Zwei Klöster, eine Familie
Mettlach und Hornbach
| Mettlach | Hornbach | |
|---|---|---|
| Gründung | um 690 (bzw. 675/676) | um 740/741 |
| Stifter | Liutwin, auf eigenem Grund | der Widone Warnharius |
| Heiliges Grab | Liutwin († um 717/723) | Pirmin († 753) |
| Familie | Liutwin, Milo, Lantbert und seine Söhne | Widonen-Lambertiner, später die Salier |
| Kirche | an Trier gebunden; Bischöfe als Äbte | Bestätigung durch Metz; 1087 an Speyer |
| Wahrzeichen | Alter Turm (um 990) | Pirmin-Grab und Klosterruine |
| Ende | 1802 Säkularisation | 1557 Reformation |
| Heute | Villeroy & Boch, Wallfahrt | Klosterhotel, Museum, Grabkapelle |
Zusammen bilden die beiden Klöster die geistlichen Ankerpunkte eines Familienverbandes, dessen Angehörige Bischöfe in Trier und Reims, Markgrafen an der bretonischen Grenze, Herzöge und Kaiser in Italien und schließlich Kaiser im Reich wurden.
Übersicht
Chronik auf einen Blick
| Antike | Keltische und römische Siedlung Gamundias mit Höhenheiligtum. |
| 724 | Pirmin an der Gründung der Reichenau beteiligt. |
| um 740/741 | Graf Warnharius gründet Hornbach; Bischof Sigibald von Metz bestätigt. |
| 753 | Tod und Begräbnis Pirmins in Hornbach. |
| 827 | Pirmin und Petrus als Klosterpatrone genannt. |
| um 850 | Das Stift Zell bei Worms kommt an Hornbach. |
| um 970–990 | Abt Adalbert: Hornbacher Sakramentar. |
| 11. Jh. | Monumentale Pfeilerbasilika, rund 72 m lang. |
| 1087 | Heinrich IV. schenkt Hornbach dem Bischof von Speyer. |
| bis um 1230 | Münzrecht, verliehen von Heinrich V. |
| 1557 | Aufhebung in der Reformation, Fürstenschule. |
| 1558 / 1575 | Pirmins Reliquien nach Speyer, dann nach Innsbruck. |
| 1672–1678 | Zerstörung des Vierungsturms. |
| 1953 / 1957 | Wiederentdeckung des Grabes, Grabkapelle. |
Quellen und Literatur
- Rausch, Markus E.J.: Lutwinus – Ein Graf aus Mettlach und sein Erbe in Europa. KaRaBu Verlag 2026, Kapitel 21: „Hornbach – Das zweite bedeutende Familienkloster“.
- Weinfurter, Stefan: Herrschaft und Reich der Salier. Sigmaringen 1991.
- Artikel „Kloster Hornbach“ in der deutschsprachigen Wikipedia (abgerufen Oktober 2026).