6. – 7. Jahrhundert
Eine Welt ohne Deutschland und Frankreich
Wer um 690 an der Saar lebte, lebte nicht „am Rand“. Es gab weder Deutschland noch Frankreich, weder Saarland noch Lothringen. Es gab das Reich der Franken – regiert von der Königsfamilie der Merowinger und aufgeteilt in Teilreiche: Austrasien im Osten mit Metz, Trier und dem Rheinland, Neustrien im Westen um Paris und Soissons, dazu Burgund.
Saar und Mosel waren keine Grenzflüsse, sondern Verkehrsadern. Von Mettlach erreichte man saarabwärts bei Konz die Mosel, Trier und weiter den Rhein. Römische Straßen, Städte und Bischofssitze hatten den Raum geprägt; Trier war Jahrhunderte zuvor kaiserliche Residenz gewesen, und sein Bischofsstuhl hatte den Untergang Westroms überdauert.
Macht hing in dieser Welt weniger an Titeln als an Ressourcen: Land, Familie, Kirche, Kloster, Kontakte und Erinnerung. Wer alle sechs besaß, konnte über Generationen wirken – auch ohne Krone.
ca. 630 – 714
Der Aufstieg der Hausmeier
Die Merowingerkönige herrschten formal, doch die eigentliche Macht ging zunehmend auf die Hausmeier über – die Verwalter des königlichen Hofes. In Austrasien stiegen zwei Familien auf: die Nachkommen Arnulfs von Metz und die Pippins des Älteren. Die Ehe von Ansegisel und Begga verband beide Häuser.
Ihr Sohn Pippin der Mittlere siegte 687 bei Tertry über die Neustrier und wurde der mächtigste Mann des Frankenreichs. In genau diesen Jahren gründete Liutwin Mettlach.
Liutwins Haus und die Pippiniden wahrscheinlich
Die Neue Deutsche Biographie formuliert vorsichtig: Liutwins Hochadelsgeschlecht scheint den Aufstieg Pippins und Karl Martells unterstützt und enge Beziehungen zu den herrschenden Kreisen des Merowingerreiches unterhalten zu haben. Die späteren Verbindungen zwischen Milo, Wido und Karl Martell entstehen also nicht aus dem Nichts.
ca. 660 – 697
Der Graf an der Saar
Liutwin – in den Quellen auch Lutwin, Ludwin, Leodewin, lateinisch Liutwinus – entstammte einem fränkischen Hochadelsgeschlecht am Oberlauf der Saar. Als Eltern nennt die NDB Gerwin und Gunza; sein Onkel war Basin, Bischof von Trier. belegt
Ob Liutwin ein Grafenamt im strengen Sinn bekleidete, ist nicht sicher. Ältere Darstellungen machen ihn sogar zum „Herzog“. „Graf an der Saar“ beschreibt anschaulich seine Stellung, ist aber kein zeitgenössisch belegter Titel. Sicher ist: Er war verheiratet – seine Frau bleibt namenlos, „N. N.“ –, Vater mindestens zweier Söhne und Herr über umfangreichen Besitz.
Mettlach um 690
Um 690 gründete Liutwin auf eigenem Grund das Kloster Mettlach – ein Eigenkloster, Teil seiner Machtbasis. Die Stiftung bestand aus zwei Anlagen: einer Dionysiuskirche auf dem Bergrücken innerhalb der Saarschleife, Pfarrzentrum für sechs Ortschaften, und dem Mönchskloster am Saarufer mit einer Doppelkirchenanlage. belegt
Dass Liutwin Reliquien des Pariser Märtyrerbischofs Dionysius erhielt, eines Heiligen des merowingischen Königtums, deutet auf beste Verbindungen zum Hof. Die spätere Legende erzählt, ein Adler habe den schlafenden Jäger Liutwin mit seinen Flügeln vor der Sonne geschützt – und an dieser Stelle habe er die Kirche errichten lassen. Historisch beweisbar ist das nicht. Aber selbst die Legende erinnert sich an den Adeligen mit Gefolge und Jagdrecht hinter dem späteren Heiligen.
Warum ein Kloster?
Frömmigkeit und Macht schlossen sich nicht aus. Eine Stiftung sicherte das Seelenheil, das Gebetsgedenken für die Familie (memoria), ordnete Besitz und stärkte die Herrschaft in der Region. Mettlach überlebte Liutwin, Milo und Wido – und mehr als ein Jahrtausend wechselnder Ordnungen.
697 – ca. 723
Vom Grafen zum Bischof
Nach dem Tod seiner Frau trat Liutwin als Witwer in den geistlichen Stand. Vor dem 1. November 697/698 weihte ihn sein Onkel Basin zum Mitbischof; nach Basins Tod um 705 stand Liutwin an der Spitze der Trierer Kirche. Mettlach übergab er der Trierer Kirche – die Bischöfe von Trier waren fortan zugleich Äbte von Mettlach. belegt
Damit verließ Liutwin die Welt der Macht nicht, er wechselte nur die Tür: Ein Bischof verwaltete riesigen Besitz, verhandelte mit Adel und Hof und verfügte über Menschen und Rechte. Trier blieb erstaunlich lange in der Familie: Basin → Liutwin → Milo. Die NDB spricht von einer „unkanonischen Bischofsdynastie“.
Drei Bischofssitze? spätere Überlieferung
Spätere Traditionen machen Liutwin auch zum Bischof von Reims und Laon. Die quellenkritische Forschung hält das für höchst problematisch: Die ausführlichen Viten entstanden erst im 10. und 11. Jahrhundert. Wahrscheinlich übertrug die Erinnerung die spätere Reimser Macht Milos auf den Vater. Liutwin braucht diese Ämter nicht – Trier genügt.
Tod und Legende
Liutwin starb im frühen 8. Jahrhundert – die Angaben schwanken zwischen um 717 und 722/23 –, der Überlieferung nach in Reims. Die Legende erzählt, Milo habe den Leichnam nach Trier bringen wollen, doch das Schiff sei ohne Steuermann die Mosel hinab und die Saar hinauf bis Mettlach gefahren, wo die Glocken von selbst läuteten. Die Botschaft: Liutwin gehört nach Mettlach.
Ende des 10. Jahrhunderts entstand über seinem Grab der achteckige Alte Turm – bis heute erhalten und einer der ältesten Sakralbauten des Saarlandes. Dreihundert Jahre nach seinem Tod war Liutwin noch wichtig genug für ein Monument.
frühes 8. Jahrhundert
Die drei Kinder – drei Richtungen der Wirkung
Mit Liutwins Kindern fächert sich die Familie auf. Ob geplant oder nicht: Kirche, Adel und Heirat – die drei Säulen aristokratischer Macht – wären in einer Generation besetzt gewesen.
Milo Sohn belegt
Leiter der Kirchen von Trier und wahrscheinlich Reims, Verbündeter Karl Martells, Gegner der Kirchenreform.
Im Netz zeigen → Der AdelWido Sohn belegt
„Stammvater der Widonen“ – über seine Nachkommen führt die Spur nach Nantes, Spoleto, auf den Kaiserthron und zu den Saliern.
Im Netz zeigen → Die DynastieChrodtrud Tochter?
Gemahlin Karl Martells und Großmutter Karls des Großen. War sie Liutwins Tochter?
Im Netz zeigen →Milo – Bischof, Aristokrat, Machthaber
Milo, wohl der älteste Sohn, ist 723 als Leiter der Trierer Kirche bezeugt. Eine Priester- oder Bischofsweihe ist nicht belegt. Nachdem Karl Martell Bischof Rigobert aus Reims vertrieben hatte, gewann Milo wahrscheinlich auch dort die Kontrolle. Er verteilte Kirchengut an Söhne und Gefolgsleute – Kirche als Familienbesitz. Mettlach ließ er unangetastet.
Damit wurde er zum Gegner der Reformer: Bonifatius wollte kanonisch eingesetzte Bischöfe und geordnete Besitzverhältnisse, Papst Zacharias stand hinter ihm, und in Reims sollte Abel Milo ablösen. Es gelang nicht. Milo überstand selbst den Tod seines Förderers Karl Martell und starb um 761/762 – der Überlieferung nach bei einer Jagd.
Wido – der andere Sohn
Wido setzte die weltliche Linie fort. Die NDB nennt ihn den „Stammvater der Widonen, aus denen später die Salierkaiser hervorgingen“. Über ihn selbst wissen wir wenig. In den Gesta der Äbte von Fontenelle erscheint jedoch ein Wido, Laienabt von Fontenelle und Saint-Vaast, als propinquus – Verwandter – Karl Martells; er wurde 738/739 einer Verschwörung beschuldigt und getötet.
Ein Wido oder zwei? Hypothese
Ob der Fontenelle-Wido mit Liutwins Sohn identisch ist, ist möglich, aber umstritten. Wäre er es, stünde die Familie Liutwins nachweislich im engsten Verwandtschaftskreis Karl Martells.
Mettlach blieb im Familienverband: Lantbert, ein Verwandter Milos, erhielt das Kloster, und seine Söhne beanspruchten es später als väterliches Erbgut. Lantbert könnte ein Sohn Widos gewesen sein – plausibel, aber nicht belegt. Der Name Lambert sollte bei den Widonen immer wiederkehren.
Die unbekannte Tochter
Chrodtrud (auch Chrotrud, Rotrud, Rotrude) war die erste Gemahlin Karl Martells – nach der NDB heiratete er sie um 706 – und starb 725. Sie war die Mutter Karlmanns, Pippins des Jüngeren und Hiltruds und damit die Großmutter Karls des Großen. belegt Ihre Eltern aber sind nicht überliefert.
War Chrodtrud eine Tochter Liutwins?
| Indiz | Bewertung |
|---|---|
| Chrodtruds Eltern sind unbekannt | neutral – die Lücke lässt Raum |
| Liutwins Familie stand den Pippiniden nahe | macht eine Ehe sozial und politisch plausibel |
| Milo war enger Verbündeter Karl Martells | wäre als Schwager leicht erklärbar |
| Ein Wido ist propinquus Karl Martells | starkes Indiz – falls dieser Wido Liutwins Sohn war |
| Ältere genealogische Rekonstruktionen | stützen die Verbindung, ersetzen aber keinen Beleg |
| Eine Quelle nennt Chrodtrud „Tochter Liutwins“ | fehlt |
Ergebnis plausible, aber unbewiesene Hypothese
Die Chrodtrud-Lösung erklärt die überlieferte Nähe überzeugend, ist aber nicht die einzig denkbare Erklärung: Die Verwandtschaft könnte auch über Liutwins unbekannte Frau oder eine andere Linie gelaufen sein. Wäre sie richtig, wären Milo und Wido Schwäger Karl Martells, Karlmann und Pippin ihre Neffen – und Liutwin der Urgroßvater Karls des Großen.
714 – 741
Karl Martell und seine Gegner
Als Pippin der Mittlere im Dezember 714 starb, wollte seine Witwe Plektrud die Macht für ihren Enkel Theudoald sichern. Sie ließ ihren Stiefsohn Karl, den Sohn Chalpaidas, gefangen setzen. Karl entkam – und stand einer Koalition von Gegnern gegenüber.
Die Gegner Karl Martells
- Plektrud und Theudoald – die innerfamiliäre Konkurrenz in Austrasien
- Raganfrid, Hausmeier der Neustrier, und sein König Chilperich II.
- Radbod, König der Friesen, der Karl 716 bei Köln schlug
- Eudo von Aquitanien, 718 mit den Neustriern verbündet – 732 an Karls Seite
- Bischof Rigobert von Reims, den Karl vertrieb
Karl siegte bei Amblève (716), Vinchy (717) und Soissons (718), gewann Austrasien und unterwarf Neustrien. 732 besiegte er bei Tours und Poitiers ein Heer aus al-Andalus. Ab 737 regierte er sogar ganz ohne merowingischen König.
An seiner Seite: Liutwins Familie. Milo erhielt Reims und hielt Trier. Ein Wido war Karls Verwandter – und wurde 738/739 dennoch als Verschwörer getötet. Wenn Chrodtrud Liutwins Tochter war, saß die Familie aus Mettlach im Zentrum der neuen Macht.
Nach Chrodtruds Tod 725 ging Karl eine Verbindung mit Swanahild aus dem bayerischen Herzogshaus ein. Ihr Sohn Grifo sollte später gegen Chrodtruds Söhne kämpfen.
Karl Martell mit allen Verbündeten und Gegnern im Netz ansehen →
741 – 814
Von Pippin bis zu Karl dem Großen
Nach Karl Martells Tod im Oktober 741 übernahmen Chrodtruds Söhne Karlmann und Pippin die Herrschaft. Sie schlossen ihren Halbbruder Grifo aus, besiegten 743 am Lech Herzog Odilo von Bayern – den Gemahl ihrer Schwester Hiltrud – und förderten die Kirchenreform des Bonifatius. Für Milo war das die gefährlichste Zeit.
747 zog sich Karlmann überraschend ins Mönchsleben zurück. 751 setzte Pippin den letzten Merowinger Childerich III. ab – man schnitt ihm die Haare und schickte ihn ins Kloster – und wurde mit päpstlicher Billigung König. Er starb 768 in Saint-Denis.
Karl der Große – der mögliche Urenkel Liutwins
Karl, Sohn Pippins und Bertradas, wurde 768 König, nach dem Tod seines Bruders Karlmann 771 Alleinherrscher. 774 eroberte er das Reich des Langobardenkönigs Desiderius – Italien wurde Teil der fränkischen Welt, die Voraussetzung für den späteren Aufstieg der Widonen dort. 788 setzte er seinen Vetter Tassilo III. von Bayern ab, ebenfalls ein Enkel Chrodtruds. Am Weihnachtstag 800 wurde er in Rom zum Kaiser gekrönt; er starb 814 in Aachen.
Nicht statt Aachen – vor Aachen Hypothese
Mettlach bestand als aristokratisch-kirchliches Zentrum rund acht Jahrzehnte vor Karls Herrschaftsantritt. Stimmt die Chrodtrud-Hypothese, läge ein Teil seiner Familiengeschichte an der Saar. Milo, der um 761/762 starb, hätte den jungen Karl als seinen Großneffen erlebt.
814 – 843
Das Reich der Enkel
Karls einziger überlebender Sohn Ludwig der Fromme regierte als Kaiser bis 840. Unter ihm und nach ihm zerstritten sich seine Söhne: Lothar I. kämpfte 841 bei Fontenoy gegen Ludwig den Deutschen und Karl den Kahlen.
Der Vertrag von Verdun 843 teilte das Reich in West, Mitte und Ost. Lothar erhielt das Mittelreich mit Italien – und in seinem Gefolge zogen die Widonen über die Alpen.
8. – 9. Jahrhundert
Die Widonen – von der Saar nach Europa
Die Widonen tragen ihren Namen nicht zufällig: Der Leitname Wido (italienisch Guido) und der Name Lambert kehren in diesem Familienverband über Generationen wieder. Er wird gleichzeitig in mehreren Regionen greifbar – an Saar und Mosel, in der Pfalz, an der bretonischen Grenze und schließlich in Italien.
Hornbach – das zweite Familienkloster
Um 740/741 stiftete der widonische Graf Warnharius das Kloster Hornbach und holte den Klostergründer Pirmin, der schon an der Gründung der Reichenau beteiligt war, dorthin. Das Kloster wurde eng mit dem widonisch-lambertinischen Verband verbunden und für ihn, was Mettlach für Liutwin gewesen war: Memorialort und Besitzzentrum. Von hier führt die Spur in den Worms- und Speyergau – den späteren Kernraum der Salier. wahrscheinlich
Die ganze Geschichte des Klosters Hornbach →
An der bretonischen Grenze
Um 799 wirkte ein Wido als Markgraf der Bretonischen Mark im Dienst Karls des Großen. Sein Sohn Lambert, Graf von Nantes, schlug sich auf die Seite Lothars I. und folgte ihm nach Italien. Hornbach, Nantes – fast das gesamte Frankenreich lag dazwischen.
Wie sicher ist die Linie? wahrscheinliche Fortsetzung
Wido als Ausgangspunkt der Widonen ist gut begründet. Die späteren Widonen-Lambertiner und die Spoleto-Linie gelten als wahrscheinliche genealogische Fortsetzung – mit Namens-, Besitz- und Familienkontinuitäten. Einzelne Übergänge bleiben rekonstruiert.
- Kirche: Basin → Liutwin → Milo
- Wido von Fontenelle?
- Rheinischer Zweig → Salier
- Widonen im Westen
- Mit Lothar nach Italien → Kaiserkrone
Ausschnitt Saar – Mosel – Rhein
Schematische Darstellung nach Längen- und Breitengraden, ohne Küsten und Grenzen – um 700 gab es weder Deutschland noch Frankreich. Fahren Sie über einen Ort, um seine Bedeutung zu sehen.
842 – 898
Spoleto und die Kaiserkrone
Lamberts Sohn Guido I. wurde um 842 Herzog von Spoleto in Mittelitalien. Die Widonen kamen nicht als zufällige Auswanderer, sondern als Teil der karolingischen Reichsaristokratie. Nach ihm herrschte sein Sohn Lambert I.
Ein Widone wird Kaiser
Als das karolingische Großreich 888 endgültig zerfiel, kämpften zwei Männer um die italienische Krone: Berengar von Friaul und Guido von Spoleto. 889 kam es an der Trebbia zur Entscheidung: Guido siegte und wurde König von Italien. 891 krönte ihn Papst Stephan V. zum Kaiser.
Guido ließ seinen Sohn Lambert schon 891 zum König erheben; am 30. April 892 krönte Papst Formosus ihn in Ravenna zum Mitkaiser. Ein Nachfahre des Familienverbands von der Saar trug die Krone Karls des Großen.
Die Gegner der Kaiser aus Spoleto
- Berengar von Friaul – besiegt, aber nie ausgeschaltet; er überlebte alle Widonen und wurde 915 selbst Kaiser
- Arnulf von Kärnten, der ostfränkische Karolinger, den Formosus nach Italien rief und 896 zum Kaiser krönte
- Papst Formosus selbst, der sich von den Widonen abwandte – nach seinem Tod wurde ihm in der berüchtigten Leichensynode 897 der Prozess gemacht
Guido starb im Dezember 894. Seine Witwe Ageltrude verteidigte die Rechte ihres Sohnes gegen Arnulf. Lambert starb im Oktober 898, der Überlieferung nach bei einem Jagdunfall. Mit ihm endete das widonische Kaisertum.
891 – 1268
Von den Widonen zu den Saliern
Während der italienische Zweig unterging, blieb der rheinische bestehen. Um 891 wird ein Graf Werner mit Rechten im Nahe-, Worms- und Speyergau greifbar – ein früher Vertreter der „Werner-Sippe“, aus der die Salier hervorgingen.
Widonen und Salier wahrscheinliche Verwandtschaft
Kirchenpatrozinien, Hornbach sowie Besitz- und Herrschaftskontinuitäten sprechen für eine Verwandtschaft der Salier mit dem Widonen-Lambertiner-Verband. Die konkrete Abzweigung und Generationenfolge ist aber nicht mehr bestimmbar – es gibt keine lückenlose Stammtafel.
Konrad der Rote, Herzog von Lothringen, heiratete Liutgard, die Tochter Ottos des Großen. 953 stand er im Aufstand gegen seinen Schwiegervater, 955 fiel er auf dem Lechfeld an dessen Seite. Sein Urenkel Konrad II. wurde 1024 König und 1027 Kaiser – der erste Salier auf dem Thron. Unter ihm begann der Bau des Speyerer Doms, der Grablege der salischen Kaiser.
Es folgten Heinrich III., Heinrich IV. – 1077 der Gang nach Canossa zu Papst Gregor VII. – und Heinrich V., mit dessen Tod 1125 die Salier im Mannesstamm ausstarben.
Die Linie lebt weiter
Über Agnes, die Tochter Heinrichs IV., und ihre Ehe mit Friedrich von Schwaben ging das Erbe auf die Staufer über: Konrad III., Friedrich Barbarossa, Friedrich II. – bis zur Hinrichtung Konradins 1268 in Neapel.
Die gesamte Linie von Wido bis zu den Staufern im Netz verfolgen →
Methode
Was wir wissen können
Diese Seite trennt konsequent zwischen belegt, wahrscheinlich und Hypothese. Die Kategorien bewerten nicht, wie reizvoll eine These ist, sondern ihr Quellengewicht.
| These | Bewertung |
|---|---|
| Liutwin, Sohn Gerwins und Gunzas, Neffe Basins, Gründer Mettlachs, Bischof von Trier; Vater Milos und Widos | belegt |
| Liutwin auch Bischof von Reims und Laon | spätere Überlieferung |
| Chrodtrud als Tochter Liutwins | plausibel, unbewiesen |
| Fontenelle-Wido identisch mit Liutwins Sohn | möglich, umstritten |
| Wido als Ausgangspunkt der Widonen | gut begründet |
| Widonen-Lambertiner und Spoleto-Linie als Fortsetzung | wahrscheinlich |
| Salier verwandt mit dem Widonen-Lambertiner-Verband | wahrscheinlich, keine lückenlose Stammtafel |
Die ausführlichen Lebensbeschreibungen Liutwins sind erheblich jünger als er selbst: Die Vita s. Liutwini prima entstand im 10. Jahrhundert, Thiofrids Vita s. Liutwini 1072–1078. Besitzgeschichte, Klosterbindungen, wiederkehrende Namen und Patrozinien können Verwandtschaft sichtbar machen – einen ausdrücklichen Abstammungsbeleg ersetzen sie nicht.
Quellen und Literatur (Auswahl)
- Gesta abbatum Fontanellensium, hg. von S. Löwenfeld, MGH SS rer. Germ. 28, Hannover 1886.
- Geschichtsquellen des deutschen Mittelalters (Bayerische Akademie der Wissenschaften): Liutwinus episcopus Treverensis; Vita s. Liutwini prima; Thiofrid von Echternach, Vita s. Liutwini; Miracula s. Liutwini.
- Anton, Hans Hubert: Liutwin – Bischof von Trier und Gründer von Mettlach († um 722). In: Zeitschrift für die Geschichte der Saargegend 38/39 (1990/91), S. 21–51.
- Heinz, Andreas: Liutwin. In: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 725; ders.: Milo. In: NDB 17 (1994), S. 530–531.
- Hlawitschka, Eduard: Die Widonen im Dukat von Spoleto. In: QFIAB 63 (1983), S. 20–92.
- Raach, Theo: Kloster Mettlach/Saar und sein Grundbesitz. Mainz 1974.
- Schneider, Olaf: Erzbischof Hinkmar und die Folgen. Berlin/New York 2010.
- Schieffer, Rudolf: Die Karolinger. 5. Aufl., Stuttgart 2014.
- Weinfurter, Stefan: Herrschaft und Reich der Salier. Sigmaringen 1991.
- Schwind, Fred: Konrad der Rote. In: NDB 12 (1980), S. 509; Salier. In: NDB 22 (2005), S. 367–370.
Ausführlich im Buch
Alle Kapitel dieser Seite beruhen auf dem Sachbuch Lutwinus – Ein Graf aus Mettlach und sein Erbe in Europa von Markus E.J. Rausch, mit Stammtafeln, Karten, Zeittafel und Quellenteil. Wo die Quellen schweigen, erzählt der Roman Zwischen Schwert und Kreuz weiter.