Wohl ältester Sohn Liutwins, ab 723 als Leiter beziehungsweise Bischof von Trier bezeugt, wahrscheinlich auch Machthaber in Reims. Eine Bischofsweihe ist nicht belegt. Verbündeter Karl Martells, verteilte Kirchengut an Söhne und Gefolgsleute. Der Reformer Bonifatius und Papst Zacharias bekämpften ihn – erfolglos. Starb der Überlieferung nach bei einer Jagd.
Bedeutung für Liutwin
Milo ist der Sohn, der Liutwins kirchliche Macht fortsetzte – und zuspitzte. Er folgte dem Vater in Trier, gewann wahrscheinlich auch Reims und stand eng an der Seite Karl Martells. Über ihn ist Liutwins Familie am deutlichsten mit der großen Politik des Frankenreichs verbunden.
Stellung und Aufgabe
Milo, wohl der älteste Sohn, ist 723 als Leiter beziehungsweise Bischof von Trier bezeugt; eine Priester- oder Bischofsweihe ist nicht belegt. Nachdem Karl Martell Bischof Rigobert aus Reims vertrieben hatte, übte Milo dort wahrscheinlich ebenfalls die Kontrolle aus. Er war ein Kirchenherr nach adeligem Muster: Er verteilte Kirchengut an Söhne und Gefolgsleute, sicherte damit Loyalität und Macht – und ließ zugleich Mettlach, die Stiftung seines Vaters, unangetastet.
Für Karl Martell war ein solcher Mann wertvoll: Er brauchte verlässliche Verbündete, die Kirchengut für den Unterhalt von Kriegern bereitstellten. Für die Kirchenreformer um Bonifatius verkörperte Milo dagegen alles, was sie abschaffen wollten – den ungeweihten Laien auf dem Bischofsstuhl, der Kirchengut wie Familienbesitz behandelte.
Einfluss und Nachwirkung
Bonifatius bekämpfte ihn, Papst Zacharias schrieb gegen ihn, in Reims sollte Abel ihn ablösen – Milo überstand alle Angriffe und blieb bis zu seinem Tod um 761/762 im Amt; der Überlieferung nach kam er bei einer Jagd ums Leben. Erst sein Nachfolger Weomad beendete die Bischofsdynastie der Familie.
Sein Bild prägte die Nachwelt negativ: Hinkmar von Reims stellte ihn im 9. Jahrhundert als Räuber am Kirchengut dar, und diese Erinnerung wanderte bis nach Trier. Historisch ist Milo jedoch ein Musterbeispiel für die Verschmelzung von Adel und Kirche im 8. Jahrhundert – und, falls Chrodtrud seine Schwester war, ein Onkel Pippins des Jüngeren und Großonkel Karls des Großen.
Familie
Im großen Stammbaum: Liutwins Familie →
Ämter
- Bischöfe und Erzbischöfe von Trier 723 bezeugt – um 761/762
- Bischöfe und Erzbischöfe von Reims nach 717 – um 744 (umstritten)
Orte
Weg zu Liutwin
1 Schritt von Liutwin zu Milo – die schwächste Verbindung bestimmt die Sicherheit des Weges: belegt
Beziehungen
Eltern → Kind
- Elternteil Liutwin belegt
- Kind Milos Söhne belegt
Verwandt / Identität?
- Verwandt / Identität? Lantbert – Neffe bzw. Verwandter; erhält Mettlach belegt
Amtsnachfolge
- Amtsnachfolge Liutwin – Trier: Milo folgt dem Vater (ab 723 bezeugt) belegt
- Amtsnachfolge Rigobert von Reims – Reims: Milo übernimmt die Kontrolle wahrscheinlich
- Amtsnachfolge Weomad von Trier – Trier: Ende der Bischofsdynastie Liutwins belegt
- Amtsnachfolge Tilpin von Reims – Reims nach Milo und Abel wahrscheinlich
Verbündet
- Verbündet Karl Martell – Förderer Milos; Milo erhält Reims belegt
Gegner
- Gegner Bonifatius – Reformer gegen den „unkanonischen“ Kirchenherrn belegt
- Gegner Papst Zacharias – Unterstützt Bonifatius gegen Milo belegt
- Gegner Abel von Reims – Rivale um Reims (740er Jahre) belegt
Erinnerung / Verehrung
- Erinnerung / Verehrung Liutwin – Legende: Überführung des Leichnams nach Mettlach Hypothese
- Erinnerung / Verehrung Hinkmar von Reims – Prägt das Bild Milos als Räuber am Kirchengut belegt
Quellen und Literatur
- NDB Milo – Heinz, Andreas: Milo. In: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 530–531.
- Schneider 2010 – Schneider, Olaf: Erzbischof Hinkmar und die Folgen. Millennium-Studien 22, Berlin/New York 2010.
- Rausch 2026 – Rausch, Markus E.J.: Lutwinus – Ein Graf aus Mettlach und sein Erbe in Europa. KaRaBu Verlag, Mettlach 2026.